Krebsinformationstag 2018

Krebsbehandlung in der Zeitenwende

Informationstag am Klinikum stellt neue Therapien vor

Jedes Jahr bekommen Millionen von Menschen die Diagnose Krebs: Dies ist zunächst eine niederschmetternde Nachricht, doch Dank des medizinischen Fortschritts können viele Betroffene heutzutage auch geheilt werden. Um bestmöglich helfen zu können, ziehen die Krebsspezialisten am Klinikum Passau an einem Strang und haben sich in Zentren zusammengeschlossen. Zu einer erfolgreichen Behandlung gehört es aber auch, dass Patienten und ihre Angehörigen über die Erkrankung gut Bescheid wissen. Beim jährlich stattfindenden Krebs-Informationstag erklären die Experten deshalb Behandlungsmöglichkeiten und stellen sich auch persönlichen Fragen der Zuhörer. Rund 100 Besucher nutzten diese Gelegenheit am 8. Dezember.

„Wir befinden uns gerade in einer Zeitenwende“, sagte Prof. Thomas Südhoff, der Chefarzt der Onkologie am Klinikum Passau. Besonders auf dem Gebiet der Immun-Onkologie tut sich derzeit viel. Diese Krebstherapien spielen neben Chemotherapie, Bestrahlung und Chirurgie bereits eine wichtige Rolle. Auch am Klinikum wird seit längerem mit sogenannten Antikörpern gearbeitet, die Tumorzellen vernichten können. Zuletzt hat ein neues Wirkprinzip in die Patientenversorgung Einzug gehalten, für das es dieses Jahr den Nobelpreis für Medizin gab. Hier handelt es sich um Antikörper der Klasse „Immuncheckpoint-Inhibitoren“, die in der Lage sind, verborgene Tumorzellen für das Immunsystem des Patienten wieder kenntlich zu machen. Diese Therapie wird meist gut vertragen und verlängert das Leben der Patienten. Besonders bei Melanomen, Nieren-, Kopf- und Hals-Tumore sowie bei Blasenkarzinomen erzielen diese Antikörper bereits gute Erfolge. Kürzlich wurde diese Therapie zusammen mit Chemotherapie für die Eingangsbehandlung von Patienten mit Lungenkrebs zugelassen. Für die meisten Fälle von Darmkrebs funktioniert dies leider nicht, erklärte Südhoff. Dagegen gibt es erste Wirksamkeitsnachweise bei bestimmten Formen von Brustkrebs.

Um die Nebenwirkungen einer Krebstherapie erträglicher zu machen, wünschen sich viele Patienten zusätzliche Behandlungen, sprich komplementäre Medizin. „Komplementär bedeutet ergänzend. Wir verstehen uns nicht als Alternative zur Schulmedizin“, betonte Gastreferent Dr. Axel Eustachi vom  Kompetenzzentrum für komplementäre Medizin und Naturheilkunde in München. Zu den wichtigsten Säulen der komplementären Medizin  zählen die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), der Einsatz von pflanzlichen Substanzen oder Entspannungsübungen. „Im Unterschied zur Schulmedizin schauen wir auf den gesunden Organismus des Patienten und versuchen diesen zu stärken. Das geht fast in jeder Phase der Erkrankung“, sagte Eustachi. Der Einsatz komplementärer Medizin sei aber auch nicht immer unproblematisch, vor allem dann, wenn die Patienten weder Hausarzt noch Onkologen darüber informieren, was sie nutzen. „Es gibt Patienten, die haben oft zehn Medikamente hochdosiert im Einsatz. Davon muss man weg.“ Eustachis Apell: „Sprechen Sie über ihre Wünsche und sagen Sie offen, welche Präparate Sie nehmen.“ Ausreichend Bewegung und eine gesunde Ernährung seien immer sinnvoll, im Gegensatz zu Nahrungsergänzungsmitteln. Pauschalempfehlungen für den Einsatz von komplementärer Medizin könne man nicht geben, so Eustachi: „Entscheidend ist immer der Einzelfall: die Symptomatik und die aktuelle konventionelle Therapie. „

Um Diagnostik und Therapie der häufigsten Krebserkrankungen ging es in den parallel stattfindenden Themensitzungen. Dabei referierten Chefarzt Prof. Helmut Grimm über Darmkrebs, Dr. Martin Dengler über Eierstockkrebs, Dr. Johannes Gebauer und Ludwig Prügl über Lungenkrebs. Den Zusammenhang von Krebs und Ernährung erläuterte Dr. Julia Lanznaster. Über Brustkrebs, die häufigste Krebserkrankung der Frau, sprach Prof. Thomas Krauß. „Die Brust ist das Sinnbild der Weiblichkeit, wenn sie operiert oder gar entfernt werden muss, empfinden Frauen dies als schwere Verletzung“, sagte Krauß. Damit es erst gar nicht so weit kommt, ist es wichtig, dass der Krebs im Frühstadium erkannt wird, etwa durch Mammografie und Sonografie. Mit entsprechender Therapie stünden die Heilungschancen dann bei 90 Prozent. Neben den medizinischen Möglichkeiten bräuchten Krebspatienten laut Krauß aber vor allem eines: „Psychosoziale Unterstützung. Wenn der Mensch jemanden hat, der ihm beisteht und ihn liebt, dann sind die Überlebenschancen besser als ohne.“

Neben den einzelnen Referaten konnten sich die Besucher auch an den Ständen im Foyer informieren, hier standen Kooperationspartner des Klinikums für Gespräche zur Verfügung wie etwa die AOK. „Wir unterstützen diesen Tag sehr gerne“, sagte der Passauer AOK-Chef Günter Schober. Vielen Versicherten biete das Klinikum Passau mit seiner interdisziplinären Behandlung sehr gute Therapiemöglichkeiten. Auch im nächsten Jahr wird es wieder einen Krebsinformationstag geben, dann schon im November.

Den Vortrag von Dr. Eustachi finden Sie hier als PDF zum Download 
Den Vortrag von Dr. Julia Lanznaster zu "Ernährung und Krebs" finden Sie hier als PDF zum Download

(v.l.): Prof. Thomas Südhoff, Dr. Julia Lanznaster, Prof. Thomas Krauß, Prof. Helmut Grimm, Ludwig Prügl und AOK-Chef Günter Schober.
(Foto: Zanner/Klinikum Passau)

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