Patienteninformation

 

Sehr geehrte Patienten,

wenn Sie sich zur Behandlung in das Zentrum für Hämatologische Neoplasien Passau begeben, sind Sie wahrscheinlich völlig unvorbereitet mit der Diagnose "Verdacht auf Blutkrebs" konfrontiert worden. Dabei wird es sich bei vielen von Ihnen um eine Erkrankung mit guten Aussichten auf dauerhafte Heilung handeln. Aber allein die unerwartete Auseinandersetzung mit einer solch schwerwiegenden Erkrankung löst natürlich Angst, Unsicherheit und Sorgen bei Ihnen und Ihren Angehörigen aus. Sie können sicher sein, dass wir Ihnen im Zentrum für Hämatologische Neoplasien auf allen Versorgungsebenen fachkompetente Hilfe anbieten.

Im Folgenden geben wir Ihnen noch weitere Informationen über das Zentrum und die Behandlungspartner, die sich uns angeschlossen haben und Ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen.

 


Ansprechpartner

Leitung des Zentrums:
Prof. Dr. med. Thomas Südhoff

Zentrumskoordination (ärztlich):
Frau Dr. med. univ. Julia Lanznaster

Zentrumskoordination (nicht-ärztlich):
Frau Melanie Moser (Pflegedienstleitung)



Leistungen

  • Erstellung eines abgestimmten individuellen Diagnose- und Therapiekonzepts: Organisation und Durchführung von speziellen Tumorkonferenzen für Patienten mit Hämatologischen Neoplasien, eingeschlossen Videokonferenzen mit dem Transplantationszentrum der UKR.
  • Beratung, Zweitmeinung
  • Diagnostik (aus Blut und Knochenmark, Punktionen, CT, MRT, Röntgen, PET-CT, EKG, Sonographie Abdomen. Endoskopische Verfahren: ÖGD, Koloskopie, ERCP, Stenteinlagen
  • Behandlung (ambulant und stationär) von bösartigen Bluterkrankungen mittels:
    • Chemotherapie mit Zytostatika
    • Immuntherapie mit Antikörper
    • Zielgerichtete Therapien
    • Transfusionen von Blutprodukten
  • Unterstützende Maßnahmen wie Schmerztherapie (bei schwierigen Fällen in Kooperation mit der Schmerzambulanz)
  • Angebot von neuen Therapie- und Diagnostikmethoden innerhalb von Studien
  • Kooperation mit den deutschlandweiten Studiengruppen für AML- und ALL-Patienten (AMLSG, GMALL)
  • Ernährungstherapie/-beratung
  • Psychoonkologische und psychosoziale Betreuung
  • Nachsorge

Medikamentöse Therapien

Die klassischen Behandlungsmöglichkeiten für Krebserkrankungen sind Operation, Strahlen- und Chemotherapie. Unter Chemotherapie versteht man die Gabe von Medikamenten (Zytostatika) in Form von Infusionen oder Tabletten, die Tumore am Wachstum hindern oder auch abtöten. Nebenwirkungen sind heute durch moderne Begleitmedikamente in der Regel gut beherrschbar. Die größten Erfolge erzielt die Chemotherapie bei Patienten mit Lymphomen und Leukämien. Bei bösartigen Bluterkrankungen werden Chemotherapien heute häufig mit Immuntherapien kombiniert.



Neben den modernen Zytostatika kommen in der Krebstherapie auch neue maßgeschneiderte Therapieformen (sogenannte zielgerichtete Therapien, targeted therapies) zum Einsatz. Dabei handelt es sich um Designer-Substanzen (kleinste synthetische Moleküle), die direkt gegen Störungen im Erbgut der Tumorzellen gerichtet sind und so die fehlende Wachstumskontrolle wieder herstellen.
Diese Substanzen stehen meist in Tablettenform zur Verfügung und sind besonders wirksam bei chronischen Leukämien (myeloisch und lymphatisch). Auch bei AML kommen sie zunehmend zusätzlich zur Chemotherapie zum Einsatz.

Besonders vielversprechend sind Immuntherapien, die sich gegen Oberflächenmerkmale der Blutkrebszellen richten. Sogenannten Immuncheckpointinhibitoren kann es gelingen, verborgene Tumorzellen für das Immunsystem des Patienten wieder erkennbar zu machen. Immuntherapien mit Antikörpern haben besonders bei Patienten mit Lymphomerkrankungen die Heilchancen deutlich verbessert.

Die II. Medizinische Klinik bietet für Patienten mit bösartigen Blut- und Tumorerkrankungen alle Formen medikamentöser Therapien mit Ausnahme von autologen und allogenen Transplantationsverfahren (hier besteht eine Kooperation mit der Universitätsklinik Regensburg) an. Patienten, die für diese Therapieformen in Frage kommen, werden frühzeitig in gemeinsamen Videokonferenzen besprochen.

Bei manchen Patienten steht nicht die aktive Krebstherapie im Vordergrund, sondern es werden sogenannte unterstützende Maßnahmen (supportive Therapie) angewandt. Diese erhalten z.B. Transfusion von Blutkomponenten, Ernährungstherapie oder Beratungen zur Verbesserung einer Schmerztherapie.


Tumorkonferenzen

Jeden Mittwoch werden Patienten mit Blutkrebs in einer Expertenkonferenz vorgestellt. Dabei wird von den Spezialisten des Zentrums (Onkologen, Strahlentherapeuten, Radiologen, Pathologen, etc.) ein individueller Behandlungsvorschlag nach den aktuellen medizinischen Erkenntnissen erarbeitet um für Sie die besten Heilungsaussichten zu erzielen. Informationen über Ihre Erkrankung und unser Behandlungsvorschlag werden in einem Tumornachsorgekalender und im Arztbrief für Sie dokumentiert. Den Nachsorgekalender sollten Sie wie einen Ausweis bei sich tragen und zu allen Nachsorgeuntersuchungen mitnehmen.

Zusätzlich besprechen wir Patienten, die für eine Transplantation in Frage kommen könnten, in regelmäßigen Videokonferenzen mit den Transplantationsexperten an der Universitätsklinik Regensburg.


Sozialdienst

Es stehen für Sie 2 Mitarbeiterinnen der Bayerischen Krebsgesellschaft e.V. zur Verfügung, außerdem die Pflegeüberleitung (Schnelleinstufung, Hilfsmittel, häusliche Versorgung).

Zu den sozialrechtlichen Regelleistungen zählen im Einzelnen:

  • Information und ggf. Antragsstellung für onkologische Rehabilitation nach § 31, Abs. 1 bzw. § 15, SGB VI (AHB, AR) Geriatrische Rehabilitation
  • Information bezüglich Schwerbehinderung, ggf. Antragstellung
  • Planung einer beruflichen Wiedereingliederung
  • Information zu Leistungen der Pflegeversicherung
  • Bei Bedarf Information und Vermittlung von Kurzzeitpflege
  • Vermittlung von Dauerpflegeplätzen (Schnelleinstufung durch Pflegeüberleitung)
  • Finanzielle Hilfen (Härtefonds)
  • Informationen zu Leistungen der Krankenkassen (Krankengeld, Haushaltshilfen, Fahrtkosten, Zuzahlungen)
  • Vermittlung an Rentenberatungsstellen
  • Vermittlung an Selbsthilfegruppen
  • Vermittlung an niedergelassene Psychotherapeuten
  • Vermittlung an andere sozialen Einrichtungen (z. B. Hospizverein)
  • Kontaktvermittlung zu den regionalen Selbsthilfegruppen

Selbsthilfegruppen

Das onkologische Zentrum arbeitet eng mit den regionalen Selbsthilfegruppen: „Leben nach Krebs“ und „Leukämie Selbsthilfegruppe Passau“ zusammen.
Der Zugang zu den Selbsthilfegruppen wird aktiv sowohl von den Mitarbeitern als auch durch die Bayerische Krebsgesellschaft angeboten. Die Kontaktdaten der Selbsthilfegruppen finden sich im Internet, zusätzlich liegen Kontaktadressen der Selbsthilfegruppen auf den Stationen aus.       

Über das Projekt „von Betroffenen für Betroffene“ werden regelmäßige wöchentliche Gesprächs- und Kontakttermine mit Mitgliedern der Selbsthilfegruppen auf den onkologischen Stationen angeboten. Bitte fragen sie auf den Stationen nach diesem Angebot.

Kontaktdaten


Psychoonkologie

Nicht selten geht die Diagnose Krebs einher mit erheblichen Sorgen, Ängsten, Unsicherheiten oder Schuldgefühlen. Mit unseren Angeboten möchten wir sie bei der Bewältigung Ihrer schwierigen Situation unterstützen.

An jeden onkologischen Patienten wird bei stationärer Aufnahme und teilweise bereits auch bei ambulanter Erstvorstellung ein kurzer Fragebogen ausgeteilt. Der ausgefüllte Fragebogen wird dann zeitnah an das psychoonkologische Team übermittelt. Dieser soll uns helfen Ihre psychische Belastung einzuschätzen. Bei Bedarf sucht das Psychoonkologische Team Kontakt zu den Betroffenen.

Sie haben in allen Phasen der Versorgung Zugang zu psychoonkologischen Beratungsangeboten, auch während z.B. ambulanter Behandlung über das MVZ Onkologie oder bei Nachsorgeterminen. Das Angebot richtet sich ebenfalls an Angehörige der Betroffenen.

Wir bieten unter anderem:

  • Psychologische Beratungsgespräche
  • Hilfen zur Krisenbewältigung
  • Gespräche zur Entlastung (u. a. mit Unterstützung von Entspannungsverfahren)
  • Begleitung bei ärztlichen Gesprächen

 

Zuständige Psychoonkologen /-innen

Christian Bäker
Dipl.-Psychologe
Psychologischer Psychotherapeut
Tel: +49 851 5300 81331

Viktoriya Sambros-Steininger
Dipl. Psychologin, Psychoonkologin
Tel.: +49 851 5300 81335

Andreea Ivascu
Psychologin, Psychoonkologin
Tel.: +49 851 5300 81334

 


Ernährungsberatung

Fehlender Appetit und Mangelernährung sind häufig Probleme bei Tumorpatienten. Neben der gezielten Tumortherapie ist die besondere Ernährungssituation der Patienten von großer Bedeutung. Alle Patienten werden bei Erstvorstellung hinsichtlich einer Mangelernährung befragt. Bei Wunsch oder Bedarf erfolgt eine Ernährungsberatung. Die I. Medizinische Klinik (Chefarzt Professor Dr. Wettstein) am Klinikum Passau ist zertifizierte Lehrklinik der Deutschen Akademie für Ernährungsmedizin e.V. und unterstützt das Onkologische Zentrum bei Patientenberatung und Planung einer den individuellen Bedürfnissen angepassten Ernährung.


Therapie in Studien

In Therapiestudien werden neue Behandlungsformen an Patienten untersucht. Ziel ist es, die Behandlungsergebnisse bei Patienten mit Blutkrebserkrankung weiter zu verbessern. Gesetzliche Vorschriften und Kontrollmechanismen gewährleisten eine größtmögliche Sicherheit für den Patienten. Auch die zuständige externe Ethikkommission und die Klinikumskommission hat im Voraus jede Studie befürwortet, die wir an unserem Hause durchführen.
Es ist unser Anliegen, möglichst vielen unserer Patienten eine Behandlung innerhalb von Studien anzubieten. Sie können ihre Zustimmung jederzeit ohne Nachteile zurückziehen. Die neuen Therapien wurden bereits in Vorstudien auf ihre Sicherheit und Wirksamkeit geprüft. Selbstverständlich wird alternativ die bestmögliche Behandlung außerhalb von Studien angeboten.

Auch bei Vorstellung in der Tumorkonferenz wird bei jedem Patienten die Möglichkeit einer Studienteilnahme diskutiert. Wenn eine Teilnahme an einer Studie für Sie medizinisch möglich ist und vielversprechend erscheint, wird Ihnen die Studie vorgestellt.

Vorteile für Sie:
Mögliche Vorteile durch die Behandlung innerhalb von Studien:

  • Die Behandlung und Therapiesteuerung erfolgt in der Regel unter Einbindung eines zusätzlichen externen Expertengremiums.
  • Kontrollierter Zugang zu Behandlungsformen bevor diese über Zulassung allgemein verfügbar sind.
  • Persönlicher Beitrag zum Fortschritt in der Krebstherapie.

Einen Überblick über die laufenden Studien erhalten Sie hier.


Lob/Anregungen/Kritik

Sollten Sie Verbesserungsvorschläge für Abläufe oder unser Angebot während der stationären oder ambulanten Betreuung haben, oder Kritik beziehungsweise Lob äußern wollen, so können Sie das gerne über dieses Formular oder über diese E-Mail-Adresse tun. Wir freuen uns über jede Anregung. Ihre Rückmeldungen geben uns wichtige Impulse für die Fortentwicklung unseres Zentrums.


Klinisches Krebsregister

Seit dem 01.01.18 besteht deutschlandweit die gesetzliche Pflicht, Daten von Krebspatienten an die klinischen Krebsregister weiterzuleiten. Ziel dieser wichtigen Maßnahme ist, sich einen Überblick über die Krebsbehandlungen in Deutschland zu machen und auch die Behandlung von Krebserkrankungen stetig weiter zu verbessern. Weitere Informationen sowie das Widerspruchsformular finden Sie im Downloadbereich.


Ambulanzsprechstunden

Ambulante Sprechstunden werden im MVZ Onkologie/Onkologische Ambulanz angeboten. Sie finden uns bei Zugang über das Hauptportal gleich im 2. Stock.

Sprechstunden

Sprechstunden:
Privatsprechstunde (Prof. Dr. T. Südhoff)
Montag – Donnerstag: 07:30 – 16:30 Uhr
Freitag: 07:30 – 14:30 Uhr
Tel.: 0851 5300 2356, Fax: 0851 5300 2954
  
MVZ Onkologie (L. Prügl, Prof. Dr. T. Südhoff) (ärztliche Anmeldung notwendig)
Montag – Donnerstag: 07:30 – 16:00 Uhr
Freitag: 07:30 – 14:30 Uhr
Tel.: 0851 8516 50419, Fax: 0851 8516 5048.